Jan Jarosz
Jan Jarosz: Rheinhessische Weinberge und Gestapo-Willkür
Von April 1942 bis April 1943 musste Jan Jarosz Zwangsarbeit in der Landwirtschaft Rheinhessens leisten. Schließlich brachte ihn die Gestapo Darmstadt aus unbekannten Gründen in das Konzentrationlager Buchenwald. Dort ging er 1944 an einer Krankheit zugrunde.
Jan Jarosz wurde am 2. Februar 1916 in Kolding in Dänemark geboren. Sein späterer Wohnort war Czarny Bór (heute: Juodšiliai, Litauen), ein kleines Dorf einen Kilometer südöstlich von Wilna (heute: Vilnius). Der polnischstämmige Jarosz, von Beruf Schmied, wurde spätestens ab Mitte April 1942 als Zwangsarbeiter im Raum Rheinhessen eingesetzt. Es ist allerdings unklar, ob er von den Nationalsozialisten aus dem besetzten Dänemark oder dem besetzten Polen ins Reich verschleppt wurde. Während die Deutschen Dänemark bereits am 9. April 1940 mit der Militäroperation „Unternehmen Weserübung“ besetzten, geriet Wilna zu Beginn des Zweiten Weltkrieges zunächst unter sowjetische Besatzung. Im Juni 1940 wurde Vilnius zur Hauptstadt der Litauischen Sowjetrepublik (LSSR) erklärt. Erst ab dem 22. Juni 1941 – dem Beginn des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion („Unternehmen Barbarossa“) – wurde die Stadt von deutschen Truppen besetzt.
Der genaue Deportationsweg von Jan Jarosz lässt sich nicht nachvollziehen. Es erscheint wahrscheinlich, dass er von seinem Wohnort Czarny Bór von den Deutschen verschleppt wurde. Aber es ist ebenso möglich, dass er von seinem im April 1942 ebenfalls besetzten Geburtsort Kolding aus deportiert wurde.
Als Zwangsarbeiter im Dritten Reich wurde Jarosz durchgehend zur Landarbeit eingesetzt. Zunächst kam er nach Oppenheim zu Ernst L., bei dem er vom 17. April bis 31. Juli 1942 in der Landwirtschaft Zwangsarbeit verrichtete. Kurz darauf war er für mehrere Monate – bis zum 12. Dezember 1942 – bei Fritz Frank in Schwabsburg als Landarbeiter. Anschließend folgte ein kurzer Aufenthalt von nur einigen Wochen bei Georg H. I. in Schwabsburg im Januar 1943. Der letzte, überlieferte Aufenthaltsort von Jan Jarosz als Zwangsarbeiter befindet sich in Nierstein bei Karl Huff – dort war er ab Anfang 1943 beschäftigt. Als Landarbeiter in Rheinhessen wurden die polnischen Zwangsarbeiter:innen insbesondere im Weinbau eingesetzt.
Akte von JAROSZ, JAN, geboren am 02.02.1916, 1.1.5.3 / 6176373 / ITS Digital Archive, Arolsen Archives.
Am 16. April 1943 wurde Jan Jarosz als „politischer Schutzhäftling“ durch die Gestapo Darmstadt in das Konzentrationslager Buchenwald eingewiesen; er bekam die Häftlingsnummer 10301. Politische Schutzhäftlinge wurden von der regulären Polizei oder der Gestapo willkürlich ohne Gerichtsurteil und ohne rechtliche Prüfung in Haft genommen. Mit diesem euphemistischen Begriff, der suggerieren soll, die Gefangenen würden vor der Wut des deutschen Volkes geschützt, versuchten die deutschen Behörden, diese Willkür zu kaschieren.
Über die genauen Umstände der Verhaftung durch die Gestapo und den letzten Aufenthaltsort von Jarosz vor der Festnahme ist leider nichts bekannt. Etwa anderthalb Jahre später verstarb Jan Jarosz dem Befund des Lagerarztes zufolge nach kurzer, zweiwöchiger Krankheit am Morgen des 4. Oktober 1944 im Konzentrationslager Buchenwald an einer Darmerkrankung.
Akte von JAROSZ, JAN, geboren am 02.02.1916, 1.1.5.3 / 6176377 / ITS Digital Archive, Arolsen Archives.